Techno Heute

Vinyl vs Digital DJ

Vinyl vs Digital DJ

Immer wieder wird im Netz darum gestritten, was ein besserer DJ ist. Ist es jemand der ausschließlich mit Vinyl Schallplatten auflegt oder sind es jene DJs, die ihr Setup ausschließlich Digital betreiben?

Hier eine Ansicht von jemanden, der beides beherrscht und der aufgrund der absurden Argumente, die in solchen Diskussionen ausgetauscht werden, nur noch den Kopf schütteln kann.

Worum geht es genau in der Debatte?

Behauptung:

Nur wer mit Vinyl Platten auflegt, ist ein richtiger DJ, weil dieser das sogenannte Beatmatching, also das Abgleichen der BPM (Beats per Minute) noch manuell von Hand vornehmen muss.

Der Digital DJ dagegen kann sich die Arbeit leicht machen und den Track, den er spielen will automatisch von seiner Hardware oder Software anpassen lassen.

Schauen wir mal, was da dran ist.

Es ist jetzt wohl so 30 Jahre her. Da habe ich mit zwei Billig-Plattenspielern meine ersten Versuche gestartet zwei Lieder ineinander zu mischen. Die Hardware war Mist. Die Tracks aber nicht. Marshall Jefferson – Move Your Body und Steve „Silk“ Hurley – Jack Your Body.

Es war eine Zeit, wo es keine CD´s oder MP3 gab. Kein Internet oder gar Musikplattformen.

Schallplatten kaufte man bei einem Händler des Vertrauens, wo man seine Nachmittage verbrachte, die neuen Scheiben probe zu hören.

Man kann also sagen, ich kenne mich in der alten analogen Welt doch recht gut aus.

Kommen wir also zu Vorwurf.

Nur wer mit Vinyl Platten auflegt, ist ein richtiger DJ.

Diese Aussage ist so zu pauschal, denn sie impliziert automatisch, dass wer mit Vinyl auflegt, automatisch ein guter DJ ist.

Also er hier:

 

ARVE Fehler: The video is likely no longer available. (The API endpoint returned a 404 error)

 

oder diese Kollege hier:

Vorschaubild
Mixing vinyl like god himself / DJ Fail

Auf der anderen Seite wären dann pauschal alle DJs, die Digital auflegen absolute „Nichtskönner“ wie dieser Kollege hier:

Vorschaubild
"Phenomena" DJ Routine on TRAKTOR KONTROL S4 by Ean Golden | Native Instruments

 

Die Aussage, „Nur wer mit Vinyl Platten auflegt, ist ein richtiger DJ“ hat aber noch ein viel größeres Problem.

Was ist z.B. mit diesen DJs?

Jeff Mills, Chris Liebing, Carl Cox oder Richie Hawtin. Nach der Definition wären das heute keine richtigen DJs.

Der Witz, alle haben mal mit Vinyl angefangen und waren zu der Zeit dann aber noch DJ´s 😉

Aber worin besteht vielleicht der tiefere Sinn der Aussage? Ich vermute es geht darum, dass man beim Beatmatchen noch etwas ganz anderes automatisch lernt, was für das Mixing am allerwichtigsten ist. Das Taktgefühl und im Idealfall entwickelt man auch einen Sinn dafür, welche Tracks von ihrem Klang und Aufbau gut zueinander passen.

Nach meiner Ansicht, kann man das aber auch alles lernen, wenn man digital auflegt.

Meiner Meinung nach reduzieren die Digital-Gegner das Auflegen nur auf saubere Übergänge zwischen den einzelnen Tracks und übersehen dabei völlig die eigentlichen Vorteile, Digital aufzulegen.

Ich denke da z.B. an die Möglichkeit mit Loops und Samples zu arbeiten.

Für einen guten Digital DJ ist es kein Problem, eine Beat Sequenz von wenigen Takten im Loop laufen zu lassen und durch dazumischen von EQ, Filtern und Effekten dafür zu sorgen, dass man als Hörer nach eine halben Stunde den Eindruck hat, zehn oder mehr verschieden Tracks gehört zu haben.

Auch die von Native Instruments entwickelte „Stems“ Methode, wo ein vorhandener Track in verschieden „Tonspuren“ geliefert wird, liefert eine weitere Möglichkeit als DJ, seine kreativen Gedanken in die Tat umzusetzen.

Das ist eine Welt, die den Vinyl Only DJs für immer verschlossen bleibt.

Der moderne DJ ist eben nicht nur jemand der zwei Tracks ineinander mixen kann. Vielmehr ist er eine Art Producer am Mischpult, der aus dem vorhanden Material neue Kreationen live am Mischpult erstellt.

Das erweitert das kreative Spektrum und die Möglichkeiten als DJ seine Ideen in Klang umzusetzen enorm.

Egal ob man nun mit Vinyl oder digital auflegt. Entscheidend ist, was hinten raus kommt. Den Leuten im Club ist es herzlich egal, womit der Sound gerade abgespielt wird.

Hauptsache man kann darauf tanzen.

 

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Pure Techno

Juni 27th, 2016

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